Feedbackkultur
Feedback kann nur wirksam werden, wenn Lehrende und Lernende sich gemeinsam für das Lernen und die Gestaltung von Lernarrangements verantwortlich fühlen –wobei jede Seite ihre je eigene Aufgabe hat. Diese Haltung ist kein Selbstläufer – daran muss immer wieder gearbeitet werden bei Lehrenden und bei Lernenden.
Johannes Bastian

Erziehungswissenschaftler

Nach Keller versteht man unter Feedbackkultur den selbstverständlichen, regelmäßigen – nicht übermäßigen – Einsatz von Feedbacks in der Schule auf allen Ebenen als Mittel zur Reflexion und Verbesserung der professionellen Tätigkeiten. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff „360°-Feedback“ verwendet. Damit wird angeregt, von allen Seiten her, natürlich nicht gleichzeitig, Rückmeldungen einzuholen. Für Lehrpersonen heißt das, nicht nur Schülerinnen und Schüler zu befragen, sondern auch mal eine Kollegin/einen Kollegen, den Fachvorstand, die Eltern oder weitere Personen, die Einblick in ihre Tätigkeit als Lehrperson haben.

 Die beiden auf einem Fachtag der Hessichen Lehrkräfteakademie vorgestellten Folien beschreiben den Unterschied zwischen Feedback und Evaluation:

Nach Keller versteht man unter Feedbackkultur den selbstverständlichen, regelmäßigen – nicht übermäßigen – Einsatz von Feedbacks in der Schule auf allen Ebenen als Mittel zur Reflexion und Verbesserung der professionellen Tätigkeiten. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff „360°-Feedback“ verwendet. Damit wird angeregt, von allen Seiten her, natürlich nicht gleichzeitig, Rückmeldungen einzuholen. Für Lehrpersonen heißt das, nicht nur Schülerinnen und Schüler zu befragen, sondern auch mal eine Kollegin/einen Kollegen, den Fachvorstand, die Eltern oder weitere Personen, die Einblick in ihre Tätigkeit als Lehrperson haben.

Eine solche Feedbackkultur kann nicht einfach verordnet werden, sondern sie muss in einem Kollegium schrittweise aufgebaut, erprobt und vereinbart werden. Dazu braucht es als Erstes die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen. Diese Bereitschaft ist nicht bei allen Beteiligten gleich groß und gleich gerichtet. Daher lohnt es sich, in der Aufbauphase verschiedene Tempi und Methoden zuzulassen, erst einmal vorhandene Erfahrungen auszutauschen und neue zu sammeln. 1

Warum sich überhaupt Feedback einholen?

  • Experimentell nachgewiesen ist, dass Fremd- und Selbstwahrnehmung häufig auseinanderliegen. Auch mir ging es in meinen ersten Gehversuchen im Umgang mit diesem Instrument so: Ich hatte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 und 12 gebeten, mir eine Rückmeldung zu meinem Unterricht zu geben. An einigen Stellen, z.B. individuelle Förderung lagen meine eigenen Einschätzungen und die der  Schülerinnen und Schüler weit auseinander. Dazu gleich noch mehr. Die Verhaltens- bzw. Aktionsmuster, die anderen Personen bekannt sind, mir aber nicht, nennt man in der Sozialpsychologie “blinde Flecken“. Feedbackverfahren helfen, diese Unterschiede aufzudecken.
  • Gut belegt ist, dass das Einholen von Feedback zu einer Steigerung der Unterrichtsqualität führt. Für mich hat es sich gelohnt, meine Lerngruppen zu bitten, mir eine Rückmeldung zu den Zielen, Inhalten, Methoden und zur Verfügung gestellte Zeit zu geben. In dem nach der Auswertung der Befragung durchgeführten Gespräch erläuterten mir die Feedbackgeber die qualitativen Unterschiede und machten Vorschläge, wie sie sich besser unterstützt sehen könnten. Das war für mich sehr hilfreich, auch weil…
  • …die Feedbackgabe zur Lehrergesundheit beitragen kann. In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2004 haben Enns und andere nachgewiesen, dass Lehrkräfte, die regelmäßig eine Rückmeldung zur Berufspaxis (Unterricht, Schulleben, Binnenverhältnisse) einholen,
    • das Gefühl haben, als Lehrkraft bestärkt zu werden,
    • an Sicherheit gewinnen (wichtig vor allem für junge Lehrkräfte)
    • eigene Schwachpunkte relativieren,
    • Offenheit und Sensibilität entwicklen,
    • ihre Arbeitszufriedenheit erhöhen,
    • Stressfaktoren abbauen und
    • von Anerkennung und Bestärkung profitieren (Bem. Ich selbst habe das einmal mit dem Instrument “Warme Dusche” erlebt, als mir meine Kolleginnen und Kollegen mich – settingsbedingt – ausschließlich positiv beschrieben haben…war eine unglaublich positive Erfahrung, weil man seine Stärken genannt bekommt, die mich dazu motiviert haben, dies in Zukunft zu verstärken. Ein Blogbeitrag einer Lehrerin beschreibt das Verfahren im multikuturellen Unterrichtsgeschehen, sehr lesenswert…

 

  1. https://mba.zh.ch/dam/bildungsdirektion/mba/internet/dienstleistungen_kommunkation/qualitaetsentwicklung/LS_individualfeedback/aufbau_elemente_einer_feedbackultur.pdf.spooler.download.1395656832035.pdf/aufbau_elemente_einer_feedbackultur.pdf